Eine mögliche "Reparaturanleitung" für abgescherte Hilfsrahmenschraube mit eingehender Verbesserung

  • #1

    Guten Morgen,


    nach der ganzen Problematik mit dem Hilfsrahmen und der Schraubenbefestigung, welche bereits durch motorbiene hinreichend beschrieben wurde, habe ich nun auch einmal begonnen mich der Reparatur meiner SD650 Modell T anzugehen und dabei gewisse Optimierungen durchzuführen. Diese Anleitung soll hier lediglich als Anhalt und Info dienen.


    :!::!::!:Alles natürlich auf eigene Gefahr und ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit :!::!::!:


    Bei Fragen Anregungen etc. stehe ich aber gerne zur Verfügung ;)


    Vorab schon einmal vielen Dank an BerndKorves curve  geta  mrsdnf eetarga und motorbiene für die vielen Tipps anregungen und Berichte.

    Hierbei sei auch das etwas mehr international ausgerichtete Forum"ADV-Rider" erwähnt, wo viele nützliche Tipps und Anleitungen bereits verfügbar sind!

    Aber nun geht's los mit meinem Winterprojekt!

    Power is nothing without control!

  • #2

    Nachdem ich bei einer routinemäßigen Überprüfung festgestellt habe, das die linke Hilfsrahmenschraube sehr leichtgängig ist und nicht mehr anziehbar ist, habe ich begonnen die Schraubverbindung zu inspizieren.

    Bevor es los ging habe ich alles notwendige entfertn. Dazu gehören:


    - Seitentaschenträger, waren verspannt und werden noch bei der erneuten Montage entspannt montiert

    - Gepäckbrücke

    - beide Endtöpfe

    - Fußrasten für Beifahrer

    - Luftfilterkasten --> ist ziemlich verdreckt und wird definitiv gereinigt und optimiert

    - Fußbremspumpe , nur gelöst


    :!:Krümmer und Ansaugtrackt wurden abgeklebt um ein Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern:!:.


    Die Demontage der oben erwähnten Teile bietet sich an um ungehindert zu können.


    Hier der die besagte "lose" Schraube auf der linken Seite:


    Hierzu bietet es sich an, den Hilsrahmen mittels einem Holzklotz am Hinterrad abzustützen. Der Holzblock hat ca 25cm länge und wird oben mit einer M8 Gewindestange gehalten. Das Rahmenheck wird hierbei leicht vorbelastet, also nach oben gedrückt um eine Demontage der Befestigtungsschrauben zu vereinfachen. Beim Einsetzen des Holzes Leerlauf einlegen, Position ermitteln und dann ersten Gang rein legen.





    Nun konnten die alten Schrauben demontiert werden:



    Wie befürchtet, linke Schraube ist abeschert. Die Schrauben sind 12.9 Güte.

    Der Rest der Schraube ist noch in dem Rahmen vorhanden:



    Soweit so gut. Nun gehts erstmal an die Problemlösung in der Theorie.


    ...to be continued....

    Power is nothing without control!

  • #3

    and it goes on....


    Nachdem ich die Schraube genauer untersucht habe, fiel mir auf, dass sie schon sehr lange abgeschert sein muss. Ob nun durch den Händler falsch montiert (Drehmomentschlüssel sind ja leider immer so eine Sache...) oder aber vor längerer Zeit einfach abgeschert weil locker etc kann ich leider nicht abschließend klären.

    Auf jeden Fall wollte ich es nun besser machen.


    Dann gings ab in den Keller bei mir zum Vorbereiten der Fußrasten . Hierbei sollte eine UNC 3/8 Schraub zum Einsatz kommen. Ihr Kopfdurchmesser passt genau in die Flachsenkung an der "Hülse" des Fußrastenträger und nur die Durchgangsbohrung muss auf 9,5mm aufgebohrt werden. Hierbei hab ich dann auch festgestellt, dass die Bohrung nicht zentriert ist, sondern leicht in Fahrtrichtung geschoben ist (~0,7mm).

    Das Aufbohren ging ohne größere Probleme mit normalen HSS Bohrern .

    :!:An der Kopfauflagefläche muss zwingend eine Senkung gemacht werden, damit der Schraubenkopf richtig sitzt:!:
    Fun fact: Bohrung links und recht sind werksmäßig 8,5 mm (links) und 8,9 mm (rechts), warum auch immer....


    Das nachfolgende Bild zeigt gut, wie gut die neue Schraube passt.



    Anschließend habe ich mir noch wie von geta vorgeschlagen Zwischenscheiben aus Aluminium gedreht mit 9,6x19x1,5 und 9,6x19x1. Diese sollten später montiert werden und ggf. vorhandene Fehler ausgleichen.

    Dann habe ich ncoh die Fußrasten auseinandergebaut, gereinigt und gefettet. Nebei noch die Kugelarretierung gefixt und dan die Auflageflächen gereinigt und plan geschliffen.

    Hier ein Bild mit allen Teilen, die endgültige Reinigung steht noch aus.


    Danach habe ich noch ausprobiert wie man solche Schrauben am besten ausbohrt. Mit meinn Bohrern von KEIL geht das sehr gut, also zumindest die 4 und 6 mm Bohrung. Ich muss mal sehen ob ich noch andere gute Bohrer bekomme, am besten mit Durchmesser 6,5 oder 6,6 mm zum Ausbohren. Das restliche Gewinde, welches noch ausgebohrt werden muss, ist ca 20mm lang.

    Aber das mach ich Morgen mit gaaanz viel Ruhe und Geduld. Und dann kommt vielleicht noch das neue Gewinde :)


    Cheers!

    Power is nothing without control!

    Einmal editiert, zuletzt von Newton_McMarv ()

  • #5

    and on....


    So, nachdem ich heute ausgeschlafen und motiviert bin, ging es dem Schraubenrest an den Kragen.

    Als erstes habe ich die Schraube bestmöglichst mittig gekörnt. Sie war leicht schräg abgeschert. Hat aber erstaunlich gut funktioniert.

    Dann habe ich jede Menge WD40 bereitgestellt und mit einem Keil HSS Co 4mm Bohrer ein Pilotloch gebohrt. Nach meinen "Vorversuchen" von Gestern ging das auch richtig gut und ich konnte die komplette Schraube durchbohren. Immer hohe Drehzahl bei moderatem Druck und kontinuierlich WD40 drauf zum schmieren/kühlen.

    Ich habe zwar auch eine ganze Batterie anderer Bohr und Schneidöle, aber keines war so schön praktisch zum sprühen und in der gesamten Handhabung.

    Dieser Borhschritt ging wie Butter durch die 12.9er Schraube.



    Dann habe ich mit einem 6er Bohr weitergemacht, leider wieder ein HSS Co Bohrer mit Kreuzanschliss. Der brach dann leider nach 2 mm ab. Erstmal ging mir der A**** auf Grundeis, aber der Bohrer war schnell wieder rausgeholt (nur 2mm tief). Dann bin ich auf einen 6mm Alpen HSS Bohrer ohne Co gewechstelt mit normalen Anschliff, der Keil hatte ja einen Kreuzschliff bzw SplitPoint. Ich hatte mich dann daran erinnert, dass diese Bohrer gerne mal zum abbrechen bei vorgebohrten Löchern neigen.

    Mit dem Alpben Bohrer ging es dann vorsichtig, aber kontinuierlich weiter und ich hatte ein 6 mm Loch gebohrt. Dann habe ich im Anschluss die Schraubenreste mit einem Schraubendreher, einer Pinzette und einer Zange raus-"gefrimmelt". War viel Arbeit aber dann hatte ich den kompletten Schraubenrest draußen. *strike*

    Dann habe ich schonmal auf 7,5 mm aufgebohrt und festgestelt, dass ein 8er Bohrer gerade so reingeht.:/:/

    Leider war mein Loch nicht 100% gerade, ich bin ca 0,2 - 0,3 mm nach unten abgedriftet aber das dürfte kein so große Rolle spielen, beim finalen Kernlochbohren muss ich halt damit leben. :/



    Weiter geht es nun mit den Kernbohrungen. Da muss ich noch mal nachschauen welchen Kernlochdurchmesser ich genau für ein UNC 3/8 brauche. Ich habe zwischen 8,0mm bis 8,2mm alles bis jetzt gelesen. Ich halte euch auf dem laufenden.


    Anmerkung:

    - Keil und Alpen Bohrer kann ich bedenkenlos weiterempfehlen, sind echt gut.

    - Recht hohe Drehzahl ist notwendig und Schmierung essentiell

    - Abdeckung gegen die Späne ist hilfreich


    Cheers und noch einen schönen Sonntagabend.

    Power is nothing without control!

    Einmal editiert, zuletzt von Newton_McMarv ()

  • #7

    final step for the left side...


    So, heute habe ich dann das Gewinde mit 8,2mm vorgebohrt und im Anschluss das UNC 3/8 Gewinde geschnitten. Es ist definitv nicht das schönste Gewinde, da ich leicht schief gebohrt hatte. Die ersten 10 mm sind relativ spielbehaftet die letzten 10-15mm sind perfekt...
    Aber ich gehe davon aus, dass es seinen Job einwandfrei erledigen wird.

    Die gesamte nutzbare Gewindelänge beträg nun 35mm. Am Gewindeeingang habe ich eine leichte 45° Phase gesetzt.

    Meine UNC 3/8 Schraube passt auf jeden Fall nun gut rein.



    Ich werde die Schraube die Woche über dann mit 40 NM anziehen und mit Schraubsicherung mittelfest sichern. Den Hilfsrahmen habe ich auch schon aufgebohrt auf 9,7 mm. Das ging ohne größere Probleme aber leider auch nicht so schön wie ich wollte... Aber es gibt ja noch die rechte Seite ;-)

    Die Auflageflächen am Hauptrahmen und am Hilfsrahmen werde ich auch noch mit Sandpapier anrauhen und natürlich entfetten. Dann sollten meine Aluminiumscheiben einen guten Kraftschluss herstellen können.


    Die Metallspänen werde ich mit einem sehr starken Magneten entfernen. Das sollte gut funktonieren.


    Die Tage kommt dann die rechte Seite dran.


    Noch ein paar Anmerkungen:

    - Druckluft aus der Flasche ist super zum Ausblasen beim Gewindeschneiden
    - Ich habe die UNC 3/8" Gewindeschneider von Voelkel verwendet, die funktionieren einwandfrei.

    - Anstelle der Ratschenverlängerung (Platzprobleme) für die Scheider habe ich einen Halter ähnlich diesem hier verwendet:

    https://www.paulimot.de/windeisen-set/gewindebohrer

    - WD40 hat auch hier wieder super funktioniert, mein Rock Oil habe ich nicht verwendet

    - Beim gewindeschneiden habe ich immer maximal eine Umdrehung geschnitten, bevor ich dann das Schneideisen komplett wieder ausgedreht habe und alles von Metallspänen befreit habe. Sicher ist sicher!


    Ich halte euch auf dem laufenden

    Cheers!

    Power is nothing without control!

  • #8

    ...nearly finished...


    So, heute habe ich die rechte Seite aufgebohrt und das neue Gewinde geschnitten. Hat alles funktioniert, nun ist auch rechts ein ca 32mm langer Gewindegang mit UNC 3/8". Auch das Loch im Hilfsrahmen wurde auf 9,7 mm aufgebohrt



    Was hier auffäll: Die Gewindeaufnahme ist an der Stirnfläche nicht gleichmäßig abgenutzt. Das bedeutet leider, dass der Hilfsrahmen nicht gut auflag bzw montiert wurde. Ich empfehle es jedem das mal zu kontrollieren. normalerweise gehört das gar kein Lack auf die Kontaktfläche zwischen Hilfsrahmen und Hauptrahmen :!::!::!:




    Außerdem habe ich noch meine UNC Schrauben auf die richtige Länge abgedreht.

    Die richtige Länge habe ich wie folgt ermittelt (der Kopf der Schraube ist dabei mit einberechnet :!: ):


    Länge der Fußrastenaufnahme + Hilfsrahmenstärke + geschnittenes Gewinde + Ausgleichsscheibenstärke


    = 40mm + 29mm + 30mm (35) + 1mm = 100mm


    Bei den Ausgleichsscheiben bin ich mir noch nicht schlüssig, ob ich diese aus Aluminium belasse oder aber aus Kupfer nochmal neu drehe, hat hier jemand einen Vorshclag was besser wäre?

    Die Fußrastenträger habe ich noch auf 9,8mm aufgebohrt. Diese Durchbohrungen sowie die an den Hilfsrahmen, werde ich auch noch ein wenig nachbearbeiten --> polieren 8)

    Hier mal die Fotos der neuen Schrauben. Die linke Schraube ist minimal länger, da ich hier das Gewinde auch gut 35mm lang geschnitten habe, Sicher ist sicher ;-)



    Auf den Bildern ist auch eine kleine Kopfunterlegscheibe aus Aluminium zu sehen, diese soll auch kleine Unebenheiten ausgleichen und einen guten Kraftschluss ermöglichen. Die Stärke dieser Scheibe beträgt 0,3mm .


    Wenn man mal die M8 Schrauben mit den neuen Schrauben vergleicht, sieht man schon einen beachtlichen Unterschied im Durchmesser.



    Mal sehen wann es dann weitergeht ;)


    Viele Grüße

    Power is nothing without control!

  • #9

    and completed....


    So,


    nun ist es vollbracht. Auch wenn ich fast verzweifelt bin das Ganze vernünftig festzuschrauben, da beide Seiten nicht ganz gefluchtet haben was zu einigen Flüchen und neuen Schrauben führte, steht meine SD nun fertig.





    Die Schrauben haben nun ca 20-25mm Gewindelänge auf jeder Seite. Anzugmoment war jeweils 50Nm und es wurde mittelfeste Schraubensicherung verwendet. Außerdem habe ich gelbe Markierungslack/Siegellack aufgebracht, dann sehe ich sofort, wann sich dort eine Schraube löst ;-)

    Die Auflageflächen habe ich gereinigt, leicht angefeilt und mit Schleifwolle gebürstet. Dann kamen die Aluminiumbeilagscheiben hinzu. Diese haben sich leicht verformt und die Fluchtungsfehler ausgeglichen. Ich hoffe das passt nun, meine geschnittenen Gewinde wurden leider bei der Montage etwas beschädigt, aber es sollte immer noch mehr als genug Sicherheit vorhanden sein.

    Zusätzlich habe ich nun auch noch die oberen M8 Verschraubungen mit unterlegten Kupferscheiben eingebaubt, dann passt das ganze noch besser, da eine perfekte Fluchtung auch hier nicht vorhanden ist. Hier habe ich Kupfer verwendet, da dieses weicher als Aluminium ist und sich besser bei 25Nm Anzugsmoment verformt. Auch hier kam Schraubensicherung, mittelfest, zum Einsatz.

    Aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, dass das sehr gut funktioniert und auch dynamischen Lasten standhält!


    Auch den oberne Haltebolzen (M8 Außengewinde mit Mutter gesichert) im Rahmen habe ich bei der Gelegenheit geprüft und nochmal festgezogen.

    Bezüglich der Scherfestigkeit sollte durch meine Modifikation nun alles um Faktor 2-4 besser sein als bei einem "perfekten" Original.

    Und theoretisch geht auch noch 3/8 UNC HeliCoil oder M10 Helicoil wenns doch nicht passt, die Materialstärke gibt das her.

    Abschließend noch ein paar Worte:


    1. Kontrolliert die verdammten Schrauben und Verbindungsflächen regelmäßig!

    2. SWM hat eine sehr schlechte Konstruktion hier abgeliefert, die eine Art Sollbruchstelle darstellt und ein no-go ist!

    3. Die Händler sollen das zwar kontrollieren, aber ich war doch sehr enttäuscht, wie das bei mir durchgeführt wurde --> eyes on!

    4. Gutes Werkzeug, viel Zeit und ein gutes Forum sind bei dieser Arbeit Gold wert!

    5. Man lernt sehr viel über sein Motorrad bei dieser Arbeit

    6. Kontrolliert die verdammten Schrauben und Verbindungsflächen regelmäßig!


    Vielen Dnak an alle die mir mit Kommentaren und so geholfen haben. Wer auch immer mal Hilfe bzw. Teilebraucht, einfach melden, ich stehe auch gerne telefonisch zur Verfügung und Drehteile kann ich auch per Post recht easy verschicken ;-)


    Cheers!

    Power is nothing without control!

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